Ukraine: Wie Sie helfen können

“Hygieneartikel sind mit die wichtigsten Dinge auf der Flucht. Seife, eine Zahnbürste und frisches Wasser – all das gehört zur Grundausstattung. Es ist aber besser, keine Hygieneartikel, Nahrungsmittel oder Kleidung zu spenden, sondern stattdessen Geld an Hilfsorganisationen zu geben. Die Partnerorganisationen vor Ort wissen viel besser, was gerade genau in welcher Menge gebraucht wird. Sachspenden an die Grenzen zu bringen, bindet zu viel Personal und behindert andere Hilfen. Es ist unkomplizierter und schneller, wenn die Dinge in hoher Stückzahl von den Spendengeldern vor Ort gekauft werden. Das stärkt außerdem die regionale Wirtschaft.”
sagt Ulrich Christen von der Diakonie Rheinland, Westfalen, Lippe

Hier das ganze Interview:
Der russische Angriffskrieg hat bereits Hunderte Menschen das Leben gekostet. Ukrainer verbringen ihre Nächte in Metrostationen, um sich vor Raketen zu schützen. Tausende sind auf der Flucht. Viele Menschen in Deutschland fühlen sich hilflos. Was können wir jetzt tun?

Ulrich Christenn: Auch wenn es schwerfällt, ist ein kühler Kopf jetzt wichtig. Purer Aktionismus hilft genauso wenig wie schwarzmalerischer Fatalismus. Am effektivsten können wir mit unseren Spenden an etablierte und gut aufgestellte Hilfsorganisationen wie die Diakonie Katastrophenhilfe unterstützen.

Auch Demos und Friedensgebete helfen. Die Bilder von Menschen, die gegen Krieg und Gewalt auf die Straße gehen, werden weltweit gezeigt. Auch im ukrainischen Fernsehen. Das macht den Menschen Mut und zeigt international: Putins Angriffskrieg nehmen wir nicht hin.

Wie ist die Diakonie Katastrophenhilfe vor Ort aufgestellt?
Seit Jahren arbeitet die Diakonie Katastrophenhilfe eng mit ihren Partnerorganisationen vor Ort zusammen. Auch mit den örtlichen Kirchen und den Diakonien und Gemeinden in Polen, der Slowakei, Slowenien, Tschechien, Moldawien, Ungarn, Rumänien und Österreich bestehen sehr gute Kontakte. Eine besonders enge Verbindung hat die Diakonie RWL zur Diakonie Polen. Selbst in der Donbass-Region hat die Diakonie Katastrophenhilfe hervorragende Netzwerke. Das macht unsere Arbeit jetzt sehr viel leichter.

Wir als Diakonie sind nicht nur in der Katastrophen- und Nothilfe aktiv, sondern wir haben auch viele von der Diakonie und Kirche geförderte Projekte ans Laufen gebracht. Zum Beispiel haben wir im Südwesten der Ukraine geholfen, einen ambulanten Pflegedienst zu gründen und zu finanzieren.

Die Diakonie Katastrophenhilfe bittet um Spenden:
Diakonie Katastrophenhilfe, Berlin
Evangelische Bank IBAN: DE68 5206 0410 0000 5025 02 BIC: GENODEF1EK1 Stichwort: Ukraine Krise
Online unter: www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spenden/(link is external)

In vielen Städten werden Lebensmittel und Kleidung gesammelt. Was brauchen die Menschen jetzt vor allem?
Das ist aber nur die materielle Seite. Jeder Krieg macht etwas mit der Seele und der Psyche der Menschen. Die psychosoziale Arbeit ist deshalb so wichtig. Wir wollen die Menschen stärken und sie dabei unterstützen, über das Erlebte zu reden, wenn sie mögen. Es geht aber auch um Ablenkung. Eine gewisse “Normalität” im oder gerade trotz des Krieges. Das ist vor allem für die Kinder wichtig.

Der Krieg ist ein Schock und kam trotz der sich anbahnenden Eskalation für viele überraschend. Wie gehen die diakonischen Partnerorganisationen damit um?

Das ist unterschiedlich. Je nach Größe und Art der Organisation konnten sie schnell auf die Flüchtlingshilfe umsatteln. Andere brauchen jetzt zu Anfang Unterstützung. Der Nothilfekoordinator Tommy Bouchiba von der Diakonie Katastrophenhilfe ist gerade auf dem Weg nach Polen, um vor allem kleinere Organisationen beim Aufbau der Strukturen zu unterstützen. Er hat uns in den vergangenen Monaten beim Aufbau der Hilfsstrukturen in den Hochwassergebieten unterstützt und hat viel Erfahrung aus Kriegs- und Krisenregionen wie dem Balkan, Syrien und den Philippinen. Beim Aufbau der Strukturen braucht man Profis, da geht es um Logistik, aber auch darum, welche Informationen sind verlässlich. Woher weiß ich, wie viele Menschen wohin fliehen?

Wir wissen nicht, wie lange der Krieg dauern wird. Selbst wenn die Kämpfe jetzt zu Ende gehen sollten, werden die Menschen noch Monate, wenn nicht sogar Jahre auf humanitäre Hilfe angewiesen sein. Ein Krieg ist nie einfach so vorbei.

Quelle: Diakonie RWL. Das Gespräch führte Ann-Kristin Herbst.