Ein neues Gesicht in der Gemeinde

Seit dem 1. April verstärkt Niklas Schier mit einer halben Stelle das Pfarrteam unserer Gemeinde: Er absolviert hier für die nächsten zwei Jahre seinen Probedienst. Woher er kommt, wie seine ersten Erfahrungen in der neuen Gemeinde waren und was er neben dem Gemeindeleben Spannendes macht, erzählt er im Interview mit Pfr. Holger Pyka (nachzulesen auch im neuen Gemeindebrief):

Niklas, wer Dir etwas länger zuhört, merkt vielleicht: Du bist kein gebürtiger Wuppertaler. Wo kommst Du her, und was hat dich nach Wuppertal gebracht?

Richtig, ich komme gebürtig aus Hessen. Aufgewachsen bin ich in einem Försterhaushalt, und das bedeutet: Richtig auf dem Land, knapp 70 Kilometer nördlich von Frankfurt am Main. Ganz unbekannt ist mir Wuppertal aber nicht, ich habe nämlich die ersten Jahre meines Studiums an der Kirchlichen Hochschule auf der Hardt verbracht. Danach hat es mich in den Norden gezogen, nach Rostock. Mein Vikariat, also die praktische Ausbildung zum Pfarrer, habe ich wieder in meiner hessisch-nassauischen Heimat absolviert. Wieder ziemlich ländlich, im Kallenbachtahl, etwa zwanzig Minuten entfernt von Wetzlar. Danach hatte ich den Wunsch, mich ein bisschen ausführlicher mit dem Thema „Kirche und Digitalisierung“ zu beschäftigen. Und jetzt promoviere ich neben dem Probedienst an der Kirchlichen Hochschule zum Thema „Communitybuilding in Gaming-Communities“.

Das klingt spannend – und nach einem sehr speziellen Thema. Was genau interessiert Dich bei deiner Arbeit?

Es gibt seit einigen Jahren Videoplattformen, bei denen „Gamer“, also Videospielfans, sich beim Spielen filmen, man kann ihnen also dabei zugucken. Das Interesse daran ist sehr groß – und viele professionelle Gamer können damit ihren Lebensunterhalt bestreiten: Sie erarbeiten sich eine „Community“, also eine Gemeinde aus Fans und Unterstützer*innen, die nicht nur ihre Videos verfolgen, sondern durch Spenden auch mitfinanzieren. Das betrifft nicht nur einzelne Personen, auch ganze Radiosender werden so von vielen Unterstützenden getragen. Und mich interessiert: Wie funktioniert das, wie kann man solche Gemeinschaften aufbauen – und was kann die Kirche davon lernen?

Dazu kommt, dass das Thema „Videospiele“ aus theologischer Sicht ohnehin hochspannend ist: Videospiele sind das einzige rein digitale Kulturgut, das wir haben. Sie bedienen sich häufig religiöser, manchmal auch biblischer Motive, und setzen sich mit theologisch relevanten Themen auseinander. Außerdem prägen sie das Wertempfinden von Menschen, die mit ihnen aufwachsen, stark.

Auch dein Alltag in der Gemeinde ist ja im Moment wahrscheinlich weitaus stärker digitalisiert als eigentlich gedacht…

Ja, es ist eine komische Zeit, um irgendwo neu anzukommen. Die meisten Menschen lerne ich bei Videokonferenzen kennen – und stelle fest: Es ist viel schwieriger, sich Namen zu merken, wenn man Leuten nur auf dem Bildschirm begegnet. Ich hoffe, die Gemeinde ist da geduldig, wenn ich manchmal nochmal nachfragen muss (lacht). Natürlich mache ich auch Geburtstagsbesuche, aber auch die beschränken sich in der Regel auf kurze, vorsichtige Kontakte an der Haustür. Und natürlich ist das im Moment auch eine sehr spannende Zeit, weil durch Corona die Kirche plötzlich ganz anders digital aufgestellt sein muss…

Das Thema, mit dem Du Dich wissenschaftlich beschäftigst, begegnet Dir in der Gemeinde gerade jetzt also wieder.

Richtig. Und ich möchte gerne genau hingucken: Was kann man aus der aktuellen Situation rausholen? Wie können wir das Beste daraus machen?

Was gefällt Dir besonders an Wuppertal?

Als ich wieder hierherkam, war ich vor allem überrascht, wie anders der Hauptbahnhof und der ganze Döppersberg aussehen! Das fühlt sich fast wie ein ganz anderes Wuppertal an als das, das ich im Studium kennen gelernt habe. Und „Hauptbahnhof“ ist schon ein wichtiges Stichwort – nach den letzten Jahren, die ich wieder in sehr ländlichen Gegenden zugebracht habe, ist es ein großer Luxus, so gute Anbindungen an den öffentlichen Nah- und Fernverkehr zu haben. Die Hardt mochte ich früher schon sehr gern, aber ich ahne, dass es noch sehr viel mehr zu entdecken gibt. Im Moment sehe ich ja vor allem meine heimische Raufasertapete (lacht). Zum Glück wohnen wir in der Nähe des Mirker Hains, so können wir auch mit dem Kleinen schnell ins Grüne.

Du bist also nicht allein nach Wuppertal gekommen?

Nein, ich wohne hier mit meiner Frau Denise, übrigens einer gebürtigen Rheinländerin, die ich in Wuppertal kennengelernt habe! Unser Sohn Tobias ist jetzt zwei Jahre alt, entdeckt jeden Tag die Welt ein Stück mehr und lernt jeden Tag neue Wörter – auch das ist gerade eine sehr spannende Zeit.

Vielen Dank für das Gespräch und weiterhin einen gesegneten Einstieg ins Gemeindeleben!