Hier finden Sie alle Veranstaltungen in unserem Online-Kalender. Und hier gibt es die Broschüre zum Download.

„Puh, muss das echt sein? Und dann noch im November?!“ Ungläubig starrt meine Bekannte mich an, nachdem ich ihr von unserem Themenmonat erzählt habe. Sie schüttelt den Kopf, rutscht auf ihrem Stuhl hin und her, als ob sie das unangenehme Thema loswerden will. Es ist nicht das erste Mal, dass Leute so auf unsere Pläne reagieren. Wie wenn im Freundeskreis das Gespräch auf meinen Beruf kommt und Leute es sich gar nicht vorstellen können, dass ich so viel mit Tod, Trauer und Sterben zu tun habe und das Leben im Großen und Ganzen trotzdem schön finde. Ihre Reaktion bestärkt mich. „Ja“, nicke ich, „das muss sein.“

Es ist viel passiert in den letzten Jahren. Die Hospiz- und Palliativbewegung hat ihren Teil dazu beigetragen, dass mehr Menschen Angehörige auf ihrem allerletzten Weg begleiten. Die meisten Menschen, die das erleben durften, beschreiben dies als eine Erfahrung, die ihren Blick auf das Leben verändert hat. Auch in der Bestattungskultur hat sich viel getan, Hinterbliebene legen mehr Wert als früher auf eine individuell gestaltete Trauerfeier und sind bereit, sich aktiv und kreativ einzubringen. All das kann bei der Trauerbewältigung helfen.

Und gleichzeitig ist und bleibt der Tod ein Tabuthema. Die meisten Menschen sterben immer noch in Institutionen, in Krankenhäusern und Pflegeheimen. Viele Menschen sehen erst im Erwachsenenalter zum ersten Mal einen Toten. Das macht etwas mit uns, als Einzelne und als Gesellschaft. Das Lebensende ist von einer dunklen Wolke aus Halbwissen und unausgesprochenen Ängsten umgeben, Medien und Kosmetikindustrie gaukeln uns vor, dass ewige Jugend möglich und erstrebenswert ist. Dadurch bleiben viele Dinge unausgesprochen, weil es immer ein Morgen gibt, auf das man wichtige Erledigungen verschieben kann.

Wir möchten das ändern. Weil wir in der Gemeinde erleben, dass es hilfreich ist, sich schon zu Lebzeiten mit dem Tod zu beschäftigen. Früher konnten wir das besser. Über Jahrhunderte hinweg übten sich Menschen in der „Ars Moriendi“, der „Kunst des (guten) Sterbens“: Der Tod war im Alltag gegenwärtig, man wusste um die eigene Endlichkeit und bemühte sich, zu Lebzeiten die Dinge zu ordnen. Organisatorisch und geistlich. Wir erleben auch: Wenn man sich mit dem Tod beschäftigt, dann rückt unweigerlich das Leben in den Blick. Weil die Frage danach, was bleibt, auch die Frage ist, was mir jetzt im Leben wichtig ist.

Als Gemeinde von Christinnen und Christen leben wir aus dem Glauben, dass Gott mit der Auferweckung Jesu Christi dem Tod endgültig nicht das letzte Wort überlassen hat. In jedem Gottesdienst ist davon die Rede: „Gekreuzigt, gestorben und begraben. Hinabgestiegen in das Reich des Todes… Ich glaube an die Auferstehung der Toten… und das ewige Leben.“ Schon deswegen kommen wir gar nicht auf die Idee, den Tod auszublenden. Wir wagen es sogar, im Angesicht des Todes zu lachen und können so die schönen Momente, die man rund ums Sterben auch erleben kann, bewusst wahrnehmen und im Herzen behalten. Das trägt auch durch den dünnhäutigen und dunklen Monat November.

Unzählige Menschen tragen dazu bei, in diesem Monat ein umfang- und abwechslungsreiches Programm anzubieten, bei dem für alle etwas dabei ist. Danke dafür! Wir hoffen, damit unseren Teil dazu beitragen zu können, dass das Thema Tod aus der gesellschaftlichen Tabuzone ans Licht kommt, Menschen miteinander ins Gespräch kommen und ihr Leben bewusster leben können.

Meine Bekannte schüttelt noch mehrmals den Kopf in unserem Gespräch. Nochmal fragt sie: „Muss das wirklich sein?“ Und ich sage wieder: „Ja. das muss. Und weißt Du das? Ich freu mich drauf!“

Holger Pyka

Die Broschüre wird mit den Gemeindebriefen verteilt und liegt an diversen Orten in der Stadt aus – hier können Sie sie herunterladen.